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Wissenswertes über die Singende Säge |
Instrument und Spieltechnik:
Die Singende Säge als Musikinstrument ist eine breite große
Säge aus gewalztem Federstahl, eine sogenannte
Schrotsäge, oder auch Fuchsschwanz, die meist durch
Streichen mit einem Streichbogen oder seltener durch
Anschlag (Klöppel) zum Schwingen gebracht wird.
Sie
gibt einen hellen sphärischen Ton von sich. Der Klang ähnelt
einer Sopranstimme und die Säge ist auch das Instrument, das
der menschlichen Stimme am nächsten kommt.
Zur Erzeugung eines Klangs ist eine leichte
S-Form des Sägeblatts unabdingbar, denn diese Form bestimmt
den schwingenden Teil des Sägeblatts. Genau an dem Punkt, wo
sich die beiden Kurven des S treffen befindet sich die
Klangfläche und wird deshalb dort mit dem Bogen
angestrichen. Durch das Biegen der kompletten S-Form ändert
sich auch die Klangfläche. Je näher sie dem Sägegriff kommt,
desto größer und dadurch tiefer wird sie, je weiter weg vom
Griff, hin zur Spitze des Sägeblatts, desto kleiner die
Klangfläche und dadurch höher der Klang. Vergleichbar mit
den unterschiedlich breiten Plättchen eines Xylophons oder
Metallophons.
Der Tonumfang beträgt bei den meisten
Musiksägen 2-2 ½ Oktaven, bei den französischen „Lame
Sonore“ (traditionell ohne Zähne) z.T. 3 ½ Oktaven. Der
tiefste Ton auf einer (großen) Musiksäge ist ca c’. der
höchste Ton auf der (französischen) Säge ca f’’’’. Ob große/tiefe
Sägen oder kleinere/höhere Sägen gespielt werden
hängt von der persönlichen Präferenz des Instrumentalisten
ab.
Auch manche herkömmlichen Handwerkssägen kann man zum
Musizieren verwenden, deren Tonumfang beschränkt sich aber
auf ca 1-1 ½ Oktaven und umfasst aufgrund des kleinen Blatts
einen sehr hohen Tonbereich.
Da das Biegen des Sägeblattes sehr viel Kraftaufwand für die
Hand bzw. den Daumen bedeutet,
bevorzugen viele – vor allem professionelle – Sägenspieler
einen Griff am oberen Ende des Sägeblatts. Der Griff wird
festgeklemmt, -geschraubt oder -gesteckt.
Das Vibrato wird
traditionell mit einem zitternden Bein erzeugt. Manche
moderne Spieler bevorzugen das Vibrato mit Hilfe des Griffs.
Als weitere Klangmöglichkeit können auch
Flageolett-Töne gespielt werden. Diese entstehen
durch eine etwas stärkere Biegung und das Anstreichen
anderer Punkte auf dem Sägeblatt.
Diese Töne können auch gleichzeitig mit Grundtönen gespielt
werden, so daß Mehrstimmigkeit entsteht. |
Geschichte
Der genaue Ursprung der Singenden Säge ist
nicht historisch dokumentiert. Naheliegend ist, dass
erstmals Holzfäller auf die Idee kamen, einer Säge Töne zu
entlocken. Der erste dokumentierte künstlerische Einsatz war
offensichtlich 1908 bei einer Schallplattenaufnahme. Schnell
fand das Instrument Eingang in Varieté-shows, erstmalig in
einer Vaudeville-show mit den Weaver Brothers 1919. In den 20er-Jahren setzte ein regelrechter
Boom ein, über 20.000 Musiksägen, also eigens zum Musizieren
hergestellte Sägen, wurden weltweit verkauft. In den meisten
Salonorchestern gab es jemanden, der dieses Instrument
spielte und als Klangfarbe oder exotisches Solo einsetzte.
Marlene Dietrich
lernte 1927 das Spielen auf diesem Instrument und nahm ihre
Musiksäge mit nach Hollywood. Nicht nur dort machte sie
damit Furore - sie genoß den Ruf der „First Lady“ der
Singenden Säge - , sondern auch bei den sog. USO-Shows im 2.
Weltkrieg zur Unterstützung der amerikanischen Truppen. (Aufnahme)
Bereits seit den 1920er-Jahren wurde die Singende Säge auch
im Bereich der zeitgenössischen Musik verwendet, z.B. in der
Schostakowitsch-Oper „Die Nase“ oder in Katchaturians
Klavierkonzert 1936. Zu dieser Zeit war ihre internationale
Bezeichnung “Flexaton“, was bis heute
manchmal Verwirrung auslöst, da ein – ebenfalls im
Sinfonieorchester verwendetes -Instrument gleichen Namens existiert. Welches
Instrument nun gemeint ist ergibt sich aus der notierten
Partie und aus dem musikalischen Zusammenhang. In den
1960er-Jahren schrieb Hans-Werner-Henze in seiner Oper „Elegy
for young lovers“ einige virtuose Sägenpassagen. Weitere Opern, in denen die Singende Säge
vorkommt sind: „Oedipe“ (George Enescu), „Pnima“ (Chaya
Czernowin), „Antigone“ (Arthur
Honegger), „Ubu rex“ (Krystof
Penderecki), „Schuhu“ (Udo Zimmermann) sowie das Musical
„Black Rider“ von Tom Waits. Desweiteren gibt es Partien für
Singende Säge in Konzertmusik wie „Stille und Umkehr“ von
Bernd Alois Zimmermann, „Quattro pezzi per orchestra“ (1959)
von Giacinto Scelsi, „5 Préludes“ von Claude Debussy in
einer Orchestrierung von Hans Zender u.a.. Weitere
Komponisten, die die Singende Säge verwendeten waren z.B.
George Crumb, John Corigliano und Leif Segerstam.
Parallel zur zeitgenössischen klassischen Musik fand die
Singende Säge Eingang in die Volksmusik vieler Länder wie
z.B. Russlands, Finnlands und der USA. Heute wird sie in
vielen musikalischen Bereichen eingesetzt: Folk, Pop, Rock,
Jazz, Chanson, Kabarett, experimentelle Musik, improvisierte Musik, Theater-
und Filmmusik, ... |
Die Singende Säge im Film
Den wohl bekanntesten Filmauftritt hatte die Singende Säge in einer
Folge von „Pippi Langstrumpf“, in der „Konrad, der
Landstreicher“ in einer etwas unheimlichen Szene die Säge
streicht. Ebenfalls sehr bekannt ist die Schlussszene aus „Delicatessen“
(1991) mit einem Duett für Singende Säge und Violoncello,
das auf einem Hausdach aufgeführt wird.
Filmmusik mit Singender Säge:
„Einer flog über’s Kuckucksnest“ (1975), „Fluch der Karibik
– Am Ende der Welt“ (2007)
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Festivals, Guiness-Rekord und Weltmeisterschaft
Jährlich stattfindende Festivals für Singende Säge sind das „Annual
International Musical Saw Festival“ (jew.
Mitte August in Santa Cruz/Kalifornien), veranstaltet von der
IMSA
(International Musical Saw Association) und das “New York
City Musical Saw Festival” (jew.Mitte Juli in New York City).
2008 wurde in Gostyn (Polen) erstmals ein
Guiness-Weltrekord für
das weltgrößte Sägenensemble (26 SpielerInnen) aufgestellt.
Getoppt wurde dieser vom erneuten
Guiness-Weltrekord beim
New York City Musical Saw Festival 2009, bei dem 53
SpielerInnen gleichzeitig „Ave Maria“ von Schubert „sägten“.
2011 fand in Jelenia Gora (Polen) eine
Weltmeisterschaft für Singende Säge statt. |
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